Mittwoch, 28. Februar 2018

Triest für Snobs

Wasser auf der einen und Wein auf der anderen Seite – so könnte man die geographische Lage der Stadt Triest zwischen dem adriatischen Meer und dem Weinbaugebiet Carso umschreiben. Bedeut­sam ist natür­lich der Hafen; einer der wenigen Tiefwasserhäfen im Mittelmeer. Aber auch sonst hat die in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie einstmals wichtigste Hafenstadt an der oberen Adria einiges zu bieten.
Sehenswert ist das Stadtzentrum mit den bekannten Gebäuden aus der 500jährigen Habsburger­herr­schaft und der k.u.k.-Zeit, v.a. an der Piazza dell’Unità d’Italia (Regie­rungs­gebäude, Lloyd, Börse, Brunnen, Opernhaus etc.); wei­terhin die Alt­stadt, das römische Theater, die Kathedrale von San Giusto (auch das Kastell), eben­so das unter der Kaiserin Maria Theresia geplante Stadt­vier­tel Borgo Teresiano mit dem Canal Grande und diversen Kirchen. Das Viertel beherbergt auch zahlreiche Läden und Geschäfte und auf der Piazza Pon­te­ros­so findet regelmäßig ein regionaler Bauernmarkt statt. Das unter Kaiser Joseph II. erbaute Borgo Giu­seppino wird u.a. von dem auf der Piazza Ve­ne­zia seit dem Jahr 2009 stehen­den, neun Meter hohen Denkmal für Erzherzog Maximilian von Öster­reich geprägt, wel­cher dabei in Vize­ad­mi­rals­uniform über den Golf von Triest Richtung Schloss Mi­ramare und den Alpenbogen blickt. Die zahl­reichen Museen der Stadt verlangen in der Regel Ein­tritt. Wenn möglich, sollte man eine Opern­vor­stellung im Teatro Giuseppe Verdi besuchen (teatroverdi-trieste.com).
Erwähnenswert sind überdies das Grand Hotel Duchi d’Aosta und das Caffè degli Specchi, beide an der Piazza dell’Unità d’Italia gelegen. Ersteres ist das renommierteste Tra­ditions­hotel der Stadt und wurde durch Besucher wie Giacomo Casanova berühmt, aber auch durch Ray Charles oder Bob Dylan. Zweiteres befindet sich im Erdgeschoss der Casa Stratti und gilt seit 1839 als das renom­mier­teste Kaffeehaus Triests, in dem schon Rainer Maria Rilke, Franz Kafka und James Joyce ver­kehrten. Triest besitzt eine Kaffeehauskultur nach wienerischem und veneziani­schem Vor­bild. Be­kann­te Lokale sind – neben dem Caffè degli Specchi - das Caffè Tommaseo (ältestes noch betriebe­nes Kaffeehaus Triests) oder das Literatencafé Antico Caffè San Marco. Eine kulinari­sche Be­son­der­heit der Region stellt die Jota Triestina (eine eintopfartige Suppe) dar.
Auch in der Umgebung Triests gibt es sehenswertes. Das in der Habsburgerzeit erbaute Schloss Mi­ra­mare, ca. fünf Kilometer außerhalb der Stadt, liegt auf einer Felsenklippe der Bucht von Grig­na­no direkt am Meer, diente gelegentlich als Filmkulisse ( z.B. in „Wartezimmer zum Jenseits“) und ist heute ein Museum. Bekannt ist eben­falls die Grotta Gigante in Sgonico (grottagigante.it). Er­le­bens­wert ist weiterhin die meterspurige, elek­tri­fizierte Lokalbahnlinie Triest – Opicina, die auf der Triester Piaz­za Oberdan ihren An­fang nimmt und eine technische Besonderheit aufweist: Zwischen den Sta­tio­nen Piazza Scorcola und Vetta Scor­cola werden 160 Höhenmeter (bei 26% Steigung) mit Hilfe einer Stand­seilbahn über­wun­den. Jeweils in Fahrt­richtung gesehen, wird der bergwärts fah­ren­de Triebwagen an der Talstation vor den unte­ren Wagen der Standseilbahn gestellt, der talwärts fahren­de an der Bergstation hinter den obe­ren Standseilbahnwagen.
Eine besondere Attraktion in Triest ist jedoch das milde Klima. Die Durchschnittstemperaturen der Jahreszeiten liegen etwa bei 15°C im Frühling, 24°C im Sommer, 16°C im Herbst und 8°C im Win­ter, was laut Statistik eine mittlere Jahrestemperatur von ungefähr 15.6°C ergibt. Die Sonne scheint im Durch­schnitt während 300 sonniger oder teilweise sonniger Tage, mit insgesamt 2500 Sonnen­stun­den pro Jahr. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei ca. 940 mm und die mittlere, relative Luftfeuchtig­keit beträgt ca. 64%. Vor allem im Sommer weht oft ein leichter Wind vom Meer in Rich­tung Land, der sog. Maes­tra­le. Die mittlere Windstärke liegt bei 7,0 km/h und windstill sind 42% des Jahres (d.h. ca. 200 Tage pro Jahr). Im übrigen beträgt der Salzgehalt des Wassers in der oberen Adria etwa 38 Promille.
Für die Anreise nutzt man optimalerweise den Nachtzug von München oder den von Wien nach Venedig bis Udine, ab dort geht es mit einem Tageszug nach Triest (ca. 80km). Hotelzimmer bucht man am Besten über eines der bekannten Portale, wie z.B. booking.com. Einen brauchbaren, aber leider nicht ganz aktuellen Reiseführer findet man unter triest.biz. WLAN gibt es u.a. bei McDo­nalds (Piazza Carlo Goldoni & Via Italo Svevo) und Burger King (Viale XX Settembre, 25).

 Nachträge
+ Die italienische Reederei Trieste Lines offeriert Fährverbindungen ab Triest nach Piran (Slowenien), Poreč, Rovinj und Pula (triestelines.it).
+ Outlet-Shopping im Noventa di Piave Designer Outlet (Via Marco Polo 1, 30020 Noventa di Piave) etwa 130km westlich von Triest. Infos unter: outlets.mcarthurglen.com
+ Wer mit dem Auto anreist, könnte ab Hamburg oder Düsseldorf den saisonalen Autozug nach Verona nehmen (ab da ca. 280km bis Triest). Weitere Autozüge verkehren bis zum ca. 180km entfernten Villach. Wegen der hohen Benzin- und Dieselpreise in Italien empfiehlt sich ein kurzer Tanktrip in das benachbarte Slowenien. An den größeren Grenzübergängen befinden sich Tankstellen und Grenzsupermärkte.

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