Dienstag, 13. Februar 2018

Budapest für Snobs

Die ungarische Hauptstadt ist mit ihren 120 Thermalquellen und 21 Bädern die größte Kurstadt Eu­ro­pas. Die wichtigsten historischen Bäder sind das Rudas-Bad von 1566 und das Király-Bad von 1565, die beide in der Zeit der türkischen Besatzung erbaut wurden. Am bekanntesten dürfte wohl das im Jugendstil errichtete Gellért-Bad sein, welches einen Teil des gleichnamigen, ebenfalls im Jugendstil erbauten Hotels bildet und in dem die niederländische Königin Juliana und ihr Gemahl Bernhard im Jahre 1937 ihre Flitterwochen verbracht haben (das Hotel geriet 2011 nochmals in die Schlag­zeilen, als eine Gruppe deutscher Versicherungsmitarbeiter im Bad eine private Sexparty ge­feiert hat). Den weitläufigsten Badekomplex bietet wohl das im Városliget (Stadtwäldchen) gele­gene Széche­nyi-Bad aus dem 19. Jahrhundert. Einen Besuch wert ist auch das neoklassizistische Lukács-Bad von 1842. In den meisten Bädern besteht übrigens Badekappenpflicht. Außerhalb von Budapest ist vor allem der Thermalbadesee von Hévíz bedeutend (badheviz.de). Weitere Infor­ma­tio­nen über Heilbäder in Ungarn findet man unter thermen-ungarn.com. Zusätzlich seien die fol­gen­den Bücher empfohlen: (1) Wachtel, David: Ungarns Kurorte und Mineralquellen. o.O. 2013 (Re­print von vor 1923): Nabu Press. (2) Heilbäder in Ungarn in alten Zeiten und heute. o.O. 1993: o.V.
Budapest besitzt eine Kaffeehauskultur die der in Wien in nichts nachsteht. Eines der bekanntesten Häuser ist das Café New York, das zu Beginn der 1890er Jahre von der New York Life Insurance er­baut wurde (newyorkcafe.hu). Ein weiteres, besuchenswertes Lokal ist das Café Gerbeaud, ehe­ma­li­ger k.u.k. Hoflieferant und seit 1870 am Vörösmarty Tér (Gerbeaud.hu), das die Zeit des Kom­mu­nis­mus relativ unbeschadet überstanden hat und im Jahre 1995 von einem deutschen Geschäftsmann aufgekauft und in Anlehnung an seine Tradition restauriert wurde. Eine preiswerte Speisemöglich­keit wäre das Restaurant Calvin Bistro (Kálvin tér 8; calvinbistro.hu). Interessant ist auch das Zoo Café, mit dem Ambiente einer Tierhandlung (zoocafe.hu). WLAN (Wifi) fin­det man u.a. in einem der vielen McDo­nalds, Burger King, Starbucks und Kentucky Fried Chicken Lokale, die über die ganze Stadt verteilt sind.
Die bekannteste Flaniermeile ist die Váci utca, zwischen dem Platz Vörösmarty tér und der sehens­werten Központi Vásárcsarnok (Markthalle). Ein weiteres Erlebnis stellt die Budapester Unter­grund­bahn dar, deren älteste Linie M1 – 1896 fertiggestellt – die älteste U-Bahn auf dem euro­päi­schen Festland ist. Besuchenswert sind außerdem die St. Ste­phans Basilika (die Kuppel bietet eine hervorragende Aussicht auf die Stadt), der Ost- und der West­bahnhof, die Staatsoper und die Ket­ten­brücke über die Donau. Wer länger in der Stadt verweilt, sollte unbedingt eine Opern­vor­stel­lung anschauen. Die meisten großen Museen (Bildende Künste, Kunst­halle, Müpa etc.) ver­lan­gen Ein­tritt. Zur Erholung begibt man sich ins Városliget (Stadt­wäld­chen), in welchem sich u.a. der Zoolo­gisch-Botanische Garten befindet. Kostenlose Stadtführungen findet man unter freebudapesttours. hu, einen brauchbaren Stadtführer unter budapest-cityguide.de.
Als Reisemitbringsel bietet sich Porzellan der Firma Herend an (herend.com). Seit 1872 k.u.k. Hof­lieferant, wurde die Firma nach dem Zusammenbruch des Kommunismus an die Mitarbeiter ver­kauft, die heute nach alten Vorlagen Porzellan herstellen, wie es auch an verschiedene euro­päi­sche Höfe geliefert wurde. Eine Liste der Verkaufsstellen findet sich auf der Firmenwebseite. Empfeh­lens­wert ist weiterhin der Likör und Magenbitter Unicum, der seit 1840 in Budapest und seit 1900 im IX. Budapester Stadtbezirk Ferencvaros produziert wird und in der k.u.k.-Zeit an diversen Herr­scher­höfen getrun­ken wurde. In der Zeit unter dem Kommunismus gelang es der Inhaberfamilie Zwack nach Italien zu flüchten und den Likör dort gemäß dem Original­rezept herzustellen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hat die Familie den Betrieb in Budapest wieder über­nom­men. Da Ungarn außerdem ein Weinbauland ist, sollte der Schaumweinnachschub gesichert sein. Be­kann­te Kellereien sind die Balatonboglári Borgazdasági (abgekürzt BB) und die Törley Sekt­kel­le­rei. Bei Touristen als Souvenir beliebt sind – neben ungarischen Lebensmitteln wie Sala­mi, Pa­pri­ka oder Konserven mit Sze­ge­di­ner Gulasch - original ungarische Gulaschkessel. Südlich des Bahn­ho­fes Keleti befindet sich das besuchenswerte Einkaufszentrum Arena Plaza mit vielen inter­na­tio­nalen Marken (arenaplaza.hu). Fans des Outlet Shoppings sollten das Premier Outlet Cen­ter, ca. 20km westlich der Innenstadt gelegen, aufsuchen (premieroutlet.hu).
Der wichtigste Fernbahnhof ist heute der Bahnhof Keleti (Ostbahnhof, 1884 im Neorenaissancestil errichtet). Dort existiert auch eine Businesslounge. Zugang erhalten Passagiere der Ersten Klasse und einige Schlafwagenpassagiere mit bestimmten Fahrkarten. Man kann die Lounge aber auch als Selbstzahler besuchen. Der Zugang kostet 2900 Forint pro Person (ca. €10) für vier Stunden, ohne die Lounge zu verlassen (mavcsoport.hu). Ab Keleti verkehren Nachtzüge u.a. nach München, Zü­rich, Braşov / Kronstadt und Bukarest, außerdem gibt es eine ÖBB-Railjet-Anbindung an das etwa 250km entfernte Wien. Damit eignet sich Budapest auch als Umsteigestation auf dem Weg in die rumänischen Karpaten. Wer in der Stadt übernachten will (und es lohnt sich länger zu verweilen), der bucht eine Unterkunft am besten über eines der bekannten Buchungsportale (z.B. booking.com). Viele Hotels offerieren WLAN (Wifi).


Nachträge:
Seit 2014 existiert in Budapest eine Barbershop-Kette, die von heimgekehrten, australischen Auswanderern gegründet wurde: Barbershop Budapest (barbershopbudapest.hu). Ihre Filialen findet man nicht nur in Budapest, sondern auch in den Städten Debrecen, Györ, Mikolc und Szeged. In diesen erhält man einen traditionellen Hot Towel Wet Shave schon ab umgerechnet etwa €16. Termine bucht man am besten über die o.g. Webseite.
Budapest hat Snobs viel zu bieten. Und warum sollte man nicht einmal die einheimischen Körper­pflege­produkte ausprobieren? Z.B. die des Budapester Herstellers Omorovicza (omorovicza.com). Der Grundgedanke der seit 2006 bestehenden Firma ist, die positive Wirkung ungarischen Ther­mal­wassers zwecks Hautpflege in einer Pflegeserie verfügbar zu machen. Vor allem weibliche Snobs werden ohne Zweifel unter den mittlerweile etwa 50 Pflegeprodukten etwas passendes finden, während die Herren sich vermutlich besonders für die Rasiercreme „Soothing Shave“ interessieren dürften. Der Flagshipstore befindet sich in der renommierten Budapester Andrássy út 2, wo auch Massagen und andere Behandlungen offeriert werden. Übrigens waren Omorovicza-Produkte voriges Jahr in den Amenity Kits enthalten, die Etihad Airways in der Ersten Klasse verteilt hat. Leider ist diese Praxis der Sparpolitik zum Opfer gefallen, nachdem die Fluglinie im letzten Jahr erstmals Verluste eingefahren hat.

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